Heute morgen sind wir in Vancouver aufgebrochen. Von Tsawwassen aus haben wir die Fähre über die Strait of Georgia nach Swartz Bay genommen. Dort angekommen sind wir mit dem Wagen weiter nach
Victoria gefahren, der Hauptstadt der Provinz British Columbia.
Die Stadt wurde 1843 gegründet, als die Hudson Bay Company ihr Hauptquartier von Oregon hier her an die Südspitze von Vancouver Island verlegte. Eine zeitlang war Victoria als südlichster Pazifikhafen Kanadas eine bedeutende Handelsmetropole. Doch mit der Zeit verlor die Stadt die wirtschaftliche Bedeutung immer mehr an Vancouver. Die Bedeutung als Verwaltungs- und Hochschulstandort blieb jedoch.
Bei angenehm mildem Wetter genießen wir die ruhige Atmosphäre der Stadt. Die Innenstadt entlang des Inner Harbour ist überschaubar, alles Sehenswerte kann man problemlos zu Fuß erreichen. Wir schlendern ein wenig am Hafen entlang und über einen kleinen Kunstgewerbemarkt, ehe wir uns wieder auf den Weg machen.
Wir fahren den Trans Canada Highway entlang Richtung Nanaimo. Von dort geht es ein kurzes Stück auf dem Island Highway, und dann links runter den Albany Highway Richtung Port Alberny.
Die Hafenstadt liegt am Ende des Albany Inlets, der rund 50km weit in Innere der Insel eindringt. Da der Fjord selbst von tiefgehenden Schiffen befahren werden kann, ist Port Albany auch Sitz einer großen Lachsfangflotte. Wir übernachten im
Guest House Somass, das von einem älteren deutschen Ehepaar geführt wird.
Kurz nach dem Frühstück verabschieden wir uns von unseren Gastgebern Dolly und Hans und fahren auf dem Pacific Rim Highway Richtung Westküste. Nach rund einer Stunde erreichen wir den
Pacific Rim National Park. Der 1970 gegründete Park zieht sich in zwei Teilen entlang der mittleren Küste von Vancouver Island. Er ist der älteste marine Nationalpark Kanadas. Der bekannteste Abschnitt ist die Long Beach Region zwischen Ucluelet im Süden und Tofino, unserem heutigen Etappenziel, im Norden.
Dieser Abschnitt ist geprägt von bis zu 20km langen Sandstränden entlang der wild zerklüfteten Küste, sowie dem moos- und farnbewachsenen gemäßigten Regenwald im Landesinneren. Das Wasser ist eindeutig zu kalt zum Baden, auch der Wind und die Strömung lassen einen lieber den Strand bei einem Spaziergang genießen. Das viele Treibholz an den Stränden lässt erahnen, wie rau das Wetter hier sein kann.
Gegen Abend erreichen wir
Tofino und quartieren uns in der Jugendherberge direkt am Hafen ein. Nachdem das Wetter den ganzen Tag über recht bedeckt war, lösen sich die Wolken zum Abend hin auf und geben so den Blick frei auf einen wunderschönen Sonnenuntergang.
Leider heißt es heute schon wieder Abschied nehmen von Tofino. Ich wäre gerne noch länger geblieben, aber soviel Zeit haben wir leider nicht. Also fahren wir wieder zurück Richtung Port Albany. Da das Wetter zwar immer noch windig, aber immerhin wolkenlos ist, machen wir nochmal mehrmals unterwegs Halt, um die Küste und das Meer noch etwas zu genießen. Einen wunderschönen Rundumblick über den Park, das Meer und die Berge hat man vom rund 100 Meter hohen Radar Hill.
Am Abend sind wir wieder im Guest House Somass in Port Albany.
Heute zeigt sich mal wieder, wie wechselhaft das Wetter auf Vancouver Island ist. Der Himmel ist wolkenverhangen und es regnet, wenn auch nicht stark. Wir brechen zeitig auf, um die Fähre in Nanaimo zu erreichen. Unterwegs machen wir aber noch einen kurzen Stopp am
Cathedral Grove Trail im MacMillan Provicial Park. Hier stehen einige über achthundert Jahre alte Douglasien. Der höchste Baum ist 76 Meter hoch und hat einen Umfang von rund 9 Metern.
Ein befestigter Wanderweg führt durch den Regenwald beiderseits der Straße. Eine gute Möglichkeit, diese märchenhaften Wälder zu erkunden. Ich glaube, Tolkien muss diese Wälder gekannt haben, als er über
Fangorn schrieb. Ich wäre zumindest nicht überrascht gewesen, wenn plötzlich ein
Ent an uns vorbei marschiert wäre.
Am späten Vormittag erreichen wir schließlich Nanaimo, gerade rechtzeitig für die Fähre Richtung Festland. Im Laufe der Fahrt reißt der Himmel glücklicherweise wieder auf. Da trotz des starken Windes kaum Wellen vorhanden sind, kann man sich an Deck richtig schön durchpusten lassen.
Die Überfahrt bis Horseshoe Bay im Westen von Vancouver dauert nur rund eineinhalb Stunden. Wieder auf dem Festland fahren wir auf dem Trans Canada Highway an Vancouver vorbei Richtung Osten, entlang des Fraser Rivers.