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Kakadu National Park

6. November 2002

Heiner mit Schlange

Um kurz vor sieben Uhr geht's los. Wir treffen uns mit den anderen acht Teilnehmern der Tour in den Kakadu National Park, organisiert von  Kakadu Dreams. Der Name des Parks hat übrigens nichts mit den Vögeln zu tun, sondern geht auf den Stamm der Gagudju zurück, die in diesem Gebiet seit rund 40.000 Jahren leben. Der gesamte Park gehört zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Wir wollen zwei Tage lang im Park unterwegs sein. Die Route führt von Darwin aus auf dem Arnhem Highway nach Osten. Der erste Halt des Tages ist "Crocodile Cruise" am Adelaide River. Bevor wir jedoch mit dem Boot auf den Fluss raus fahren, gibt es erstmal ein Frühstück. Parallel dazu haben wir die Gelegenheit nähere Bekanntschaft mit ein paar großen aber harmlosen Schlangen machen. Anschließend gehen wir an Bord.

Bereits nach kurzer Fahrt tauchen die ersten Krokodile auf. Es sind "Salties" ("Estuarine crocodiles", in Australien auch "Saltwater crocodiles" genannt), Leisten-Krokodile, die größten lebenden Reptilien auf der Erde. Im Durchschnitt sind sie 4 bis 5 Meter lang, aber es wurden auch schon bis zu 10 Meter lange Exemplare beobachtet. Sie kommen im gesamten tropischen und subtropischen Bereich Südasiens vor.

Estuarine crocodile

In Australien findet man sie entlang der Nordküste und in Flüssen, die ins Meer münden. Sie stellen eine ernste Gefahr dar. Im gesamten Kakadu National Park beispielsweise ist das Baden in Flüssen und den vielen Billabongs aus Sicherheitsgründen verboten, mit zwei Ausnahmen (siehe unten). Trotzdem kommt es immer wieder zu Angriffen auf Menschen. Knapp zwei Wochen vor unserem Ausflug ist eine Deutsche Touristin im Park von einem Krokodil getötet worden.

Unser Schiff verlangsamt die Fahrt und die Besatzung holt ein paar Fleischbrocken hervor. Die werden jetzt aber nicht einfach ins Wasser geworfen, sondern an eine stabile Angel gebunden und etwa zwei Meter über das Wasser gehalten. Es ist beeindruckend zu sehen, welche Kraft diese Tiere entwickeln können. Sie wiegen mehrere hundert Kilo, aber sie schaffen es, so hoch zu springen, dass nur noch der Schwanz im Wasser ist.

Estuarine crocodile
Estuarine crocodile
Estuarine crocodile
Termitenbau
Termitenbau

Die Fahrt auf dem Adelaide River dauert etwa eine Stunde. Anschließend geht es weiter den Arnhem Highway entlang. Unterwegs machen wir nochmal Halt, um uns einige große Termitenbauten anzuschauen. Immer wieder kann man von der Straße aus die Türme sehen. Die Größe dieser Bauwerke ist schon beachtlich. Die Termiten ("Cathedral Termite") sind kleiner als Ameisen, aber ihre Türme sind zum Teil 6 Meter hoch. Dabei wachsen die Bauten pro Jahrzehnt etwa 1 Meter. Die Bauten auf den Photos sind also schon 50 bis 60 Jahre alt.

Ein paar Kilometer vor dem Eingang zum Nationalpark verlassen wir den Arnhem Highway und biegen nach Süden auf die unbefestigte Old Jim Jim Road. Nach rund 90 km kommen wir an eine Furt durch den South Alligator River. Wir nutzen die Gelegenheit, machen erst einmal ein Picknick und genießen die Ruhe im Schatten der Bäume.

An der Furt am South Alligator River
In der Furt am South Alligator River
Auf der Old Jim Jim Road

Nach weiteren 35 km erreichen wir den Kakadu Highway. Aber schon nach kurzer Zeit verlassen wir ihn wieder und biegen auf den Offroad-Track Richtung Jim Jim Falls. Die Strecke ist etwa 60 km lang, aber sollte mit mindestens zwei Stunden Fahrt rechnen. Der Weg ist nur mit Geländewagen befahrbar. Nach einiger Zeit taucht voraus das Escarpment, die Klippe des Arnhem Plateaus, auf. Das Escarpment bildet die Grenze zwischen dem Tiefland mit seinen Savannen und Monsunwäldern, und dem felsigen Arnhem Land.

Jim Jim Falls
Jim Jim Falls
Jim Jim Falls

Vom Jim Jim Falls Parkplatz ist es noch ein Fußweg von etwa einem Kilometer bis zum Wasserfall. Da 2002 eines der trockensten Jahre seit langem ist und wir am Ende der Trockenzeit unterwegs sind, ist von dem Wasserfall nichts zu sehen, außer dem dunkel gefärbten Gestein. Der See wird von den Park Rangern überwacht und regelmäßig nach Spuren von Krokodilen abgesucht. Auch wenn niemand eine Garantie übernimmt, kann man doch gefahrlos baden. Wenn am Anfang der Trockenzeit keine Krokodile im See sind, wird sich das vor dem Einsetzen der Regenfälle auch nicht ändern. Krokodile legen nur sehr geringe Strecken über Land zurück.

7. November 2002

Twin Falls Gorge

Wir haben die Nacht unter freiem Himmel auf einem einfachen Campingplatz am Jim Jim Creek verbracht. Früh am Morgen durchqueren wir den Fluss (hierzu ist ein Wagen mit Schnorchel notwendig, der Fluss ist rund 1 Meter tief) und fahren ein kurzes Stück zu den Twin Falls. Die Wasserfälle sind eigentlich nur durchs Wasser zu erreichen. Man kann zwar auch am Ufer entlang klettern, je nach Wasserstand kann es aber unmöglich sein.

Auch diese Region wird regelmäßig nach Krokodilspuren abgesucht. Wir haben sogar auch Spuren von Krokodilen gesehen. Aber es waren eindeutig "Freshies", also Freshwater Crocodiles. Diese Tiere sind erheblich kleiner als die "Salties", und greifen keine Menschen an.

Baden in der Twin Falls Gorge

Wir sind an diesem Morgen die erste Gruppe am Fluss und haben ihn vollkommen für uns alleine. Vom Ende des Weges aus sind es etwa 500 Meter durch den Fluss bis zum Becken der Fälle. Da viele Steine im Wasser liegen, ist das Fortkommen nicht ganz einfach. Immer wieder muss man sich über Felsen hinweg robben.

Dafür wird man von einer wunderschönen Umgebung entschädigt. Links und Rechts ragen die roten Sandsteinfelsen bis zu 200 m senkrecht empor. Dazu das grüne Wasser. Am Ufer der helle Strand und die vielen Palmen. Dieser Ort strahlt eine unglaubliche Ruhe aus, die einen gefangen nimmt.

Mir fällt ein Zitat eines Aborigines ein:

"If you respect the land,
then you will feel the land.
Your experience will be one that you
cannot get anywhere else in the world."
Twin Falls Gorge
Twin Falls Gorge
Twin Falls Gorge

Wir bleiben bis zum späten Vormittag und machen uns dann wieder auf den Rückweg. Zurück auf dem Campingplatz hängen wir den Anhänger wieder an. Mit ihm wären wir nicht durch den Fluss gekommen. Anschließend fahren wir den Jim Jim Track wieder nach Norden, zurück auf den Kakadu Highway. Dort nehmen wir den Abzweig zum Nourlangie Rock. Unterwegs machen wir am Nawurlandja Picknick, doch schon nach kurzer Zeit fahren wir weiter zum Nourlangie Rock, dem letzten Punkt unserer Fahrt.

Felsmalerei am Nourlangie Rock

Der Nourlangie Rock ist ein Zeugenberg und dem Escarpment vorgelagert. Zusammen mit dem Ubirr Rock im Nordosten des Parks gelten die Felsmalereien von Anbangbang am Nourlangie Rock als die wichtigsten kulturellen Überlieferungen der Aborigines. Einige der Malereien sind mindestens 20.000 Jahre alt, aber auch aus der Zeit nach Ankunft der Weißen finden sich viele Darstellungen. Nebeneinander und zum Teil auch übereinander kann man die unterschiedlichen Stile erkennen. Man sieht die ältesten naturalistischen Darstellungen, die symbolischen Stilisierungen von mythologischen Figuren wie der Regenbogenschlange, und die faszinierenden Bilder im Röntgenstil, die Skelette und innere Organe von Tieren und Menschen zeigen.

Felsmalerei am Nourlangie Rock
Felsmalerei am Nourlangie Rock
Felsmalerei am Nourlangie Rock

Vom Nourlangie Rock aus fahren wir wieder zurück nach Darwin. Für Morgen steht eine Fahrt in den Litchfield National Park auf dem Programm.

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