Am frühen Nachmittag kommen wir am Ayers Rock an. Da die Zeit nicht mehr ausreicht, um einmal komplett um den Berg herum zu laufen, beschließen wir, den Weg ("Basewalk") auf zwei Tage zu verteilen.
Der Ayers Rock ist vermutlich das bekannteste Wahrzeichen Australiens. Seit 1995 trägt er als offiziellen Namen den Doppelnamen "Uluru / Ayers Rock". "Uluru" bedeutet auf Deutsch "Sitz des Ahnen" und lässt die mythologische Bedeutung des Berges für die Aborigines erkennen: Für die sie ist Uluru der Sitz der Regenbogenschlange, der allerhöchsten Gottheit der Aborigines. Uluru liegt im
Uluru / Kata Tjuta National Park und gehört zum
Weltkulturerbe der Unesco.
Der Uluru ist der zweitgrößte Monolith der Erde. Er ist etwa 3,4 km lang und an der breitesten Stelle 2 km breit. Sein Gipfel liegt auf 869 m ü. NN und ragt ca. 350 m über die Ebene. Zusammen mit der westlich gelegenen Kata-Tjuta Formation ist er vor rund 600 Millionen Jahren entstanden. Er besteht aus Arkose-Sandstein, dessen Schichten an dieser Stelle nahezu senkrecht gestellt wurden. Seine rote Farbe kommt von dem hohen Eisengehalt des Gesteins. Erstaunlich ist, dass am Fuß des Berges praktisch kein Geröll liegt. Es sieht aus, als ob der Stein einfach so im Gelände rumliegt: Ernest Giles, der erste Weiße, der den Berg sah, beschrieb ihn als "the remarkable pebble".
Aus der Ferne wirkt der Berg sehr kompakt. Kommt man aber näher, so erkennt man mehr und mehr Einzelheiten. Die Oberfläche des Berges ist recht glatt. Im Laufe der Zeit haben sich tiefe, abgerundete Einschnitte gebildet. Direkt am Fuß sieht man häufig eine Hohlkehle, die der Wind im Laufe der Jahrtausende gebildet hat. An einzelnen Stellen sind große Löcher zu sehen. Sie sind durch austretendes Sickerwasser entstanden, das bei Regen irgendwo oben auf dem Berg versickert und sich seinen Weg durch das Gestein sucht.
Während unseres Weges um den Berg herum beginnt es mit einem Mal leicht zu regnen. Die Beleuchtung und der Regen tauchen den Berg in eine eigenartige, faszinierende Stimmung.
Auf dem Weg zurück zum Campingplatz machen wir noch den obligatorischen Halt am Sunset Viewpoint. Als wir ankommen, sind wir die ersten auf dem Parkplatz. Doch bereits kurz nach uns kommen die ersten Touristenbusse an. Ich kann es zwar kaum glauben, aber es gibt wirklich Menschen, die an einem Tag von Alice Springs hier hin fahren, nur um sich den Sonnenuntergang anzuschauen: über zwölf Stunden Busfahrt für 30 Minuten Sonnenuntergang.
Kurz vor fünf aufstehen. Eine knappe Stunde später sind wir bereits auf dem Weg, um den Sonnenaufgang am Rock zu sehen. Da der Himmel leicht bedeckt ist, und deswegen die Sonne erst relativ spät direkt auf den Berg scheinen wird, beschließen wir, wieder zum Sunset Viewpoint zu fahren und nicht zum Sunrise Viewpoint. Anders als gestern Abend sind wir diesmal vollkommen alleine auf dem Parkplatz.
Als die Sonne hoch genug steht, fahren wir weiter bis zum Berg und setzen den Basewalk fort. Heute ist wieder strahlende Sonne und blauer Himmel und der Berg wirkt vollkommen anders als gestern. Er leuchtet in kräftigem Rostbraun und die Bäume mit ihrem pastellfarbenen Grün bilden einen starken Kontrast dazu.
Schaut man sich die Bäume einmal genauer an, so fällt auf, dass viele von ihnen im unteren Bereich verbrannt sind. Auch alles höhere Buschwerk ist an diesen Stellen verbrannt. Der Grund dafür ist das traditionelle "Fireworking" der Aborigines. Seit Jahrtausenden brennen die Aborigines immer wieder kontrolliert kleinere Gebiete ab. Das frische Gras, das dann dort wächst, zieht das Wild an und erleichtert die Jagd. Das Feuer selbst ist relativ kühl, weswegen die Bäume davon nur oberflächlich betroffen sind. Im Laufe der Zeit haben sich einige Baumarten sogar darauf eingestellt, in dem sie im unteren Stammbereich eine kräftigere Rinde gebildet haben. Archäologische Untersuchungen zeigen, dass diese Tradition der Aborigines einen massiven Einfluss auf die Natur in Australien hatte (siehe "
Der Mensch brachte den Tod").
Am späten Vormittag verlassen wir den Uluru und fahren zum Mount Olga, auch Kata Tjuta ("viele Köpfe") genannt. Die Formation besteht aus 36 Gesteinskuppeln. Die höchste von ihnen erhebt sich 546 m über die Ebene und ist damit deutlich höher als der Ayers Rock. Ursprünglich waren die Kuppeln vermutlich ebenfalls ein einziges großes Felsmassiv. Da die Schichten hier jedoch anders liegen und außerdem aus Konglometaren bestehen, sind sie im Laufe der Zeit stärker erodiert. Das führt dazu, dass man nicht nur außen herum laufen, sondern auch zwischen den Kuppeln wandern kann. Je nach Windrichtung ist es zwischen den Kuppeln teilweise sehr geschützt und entsprechend heiß. Man sollte also auf jeden Fall genug Wasser dabei haben.
Heute konnten wir ausschlafen: Wir mussten erst um 5:30 aufstehen. Nach dem Frühstück haben wir das Lager abgebaut und uns wieder auf den langen Rückweg nach Alice Springs gemacht. Für morgen verabreden wir uns mit zwei Teilnehmerinnen der Tour, um gemeinsam von Alice Springs aus in die West MacDonnell Ranges zu fahren.