"When you wake up, you'll think, you're in a different country." hatte uns unser Busfahrer vor dem Bahnhof in Adelaide vorausgesagt. Er hat Recht behalten.
Schon vom Zug aus sieht man, dass sich die Landschaft um uns herum vollkommen verändert hat. Eine weite, trockene, rote Ebene, wechselnder Bewuchs mit Büschen, Gras und vereinzelten Bäumen. Kein Haus ist zu sehen. Die einzigen Anzeichen von Zivilisation sind einzelne Fahrspuren, die man ab und zu erahnen kann. Wenn man - so wie wir - zum ersten Mal durchs Outback fährt, kommt es einem fast wie ein Film vor, der dort am Fenster vorbei zieht.
In großen Abständen weisen Schilder neben den Schienen auf Siedlungen hin: "Marla", "Kulgera", "Erldunda". Die Siedlungen selbst sind nicht zu sehen. Sie liegen alle entlang des Stuart Highways, der in wechselndem Abstand mehr oder weniger parallel zur Eisenbahn nach Norden führt.
Hin und wieder sieht man auch einen Zaun, der, wie mit einem Lineal gezogen, irgendeine Grenze eines Nationalparks oder einer Ranch markiert. Der absurde Versuch des Menschen so etwas wie Besitz über diese Natur zu demonstrieren. Aber das Land hier gehört nicht den Menschen. Es duldet sie nur.
Nach 25 Stunden Zugfahrt und mit über 5 Stunden Verspätung rollt unser Zug in den Bahnhof von Alice Springs ein. Laut Zeitung ist es der heißeste Oktober seit mehr als 40 Jahren. Aber die Trockenheit und der Wind machen die Hitze von deutlich über 40°C durchaus erträglich.
Alice Springs. Das Zentrum des Outbacks. Auf jeder Seite von 2000km Wüste umgeben. 25.000 Einwohner, die zweitgrößte Stadt des Northern Territory. Und abgesehen von Canberra das einzige bedeutende Zentrum im Landesinneren Australiens.
Die Stadt liegt auf der Nordseite der MacDonnell Range, die an dieser Stelle von der Heavitree Gap durchbrochen wird. Um einen ersten Überblick über die Stadt und ihre Umgebung zu bekommen, und um den Sonnenuntergang zu genießen, besteigen wir am Abend den Anzac Hill. Von hier aus hat man einen schönen Blick über die Stadt mit ihren künstlich bewässerten Grünanlagen und den vielen Bäumen, sowie über die Hügelkette der MacDonnell Range, hinter der allmählich die Sonne versinkt.
Den Vormittag haben wir genutzt, um eine mehrtätige Tour zum Kings Canyon und zum Ayers Rock zu buchen. Nachdem wir die größte Mittagshitze auf dem Campingplatz verbracht haben, ziehen wir dann nochmal los, um die Stadt und die nähere Umgebung kennen zu lernen.
Alice Springs ist heutzutage vor allem ein Touristenzentrum mit vielen Hotels, Geschäften und Lokalen. Die Stadt ist in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen, was sich in zahlreichen Neubauten am Stadtrand verdeutlicht. Zu den wohl ungewöhnlichsten Highlights der Stadt gehört das alljährliche Bootsrennen "Henley on Todd". Es findet jedes Jahr Anfang September im Todd River statt, der durch die Stadt fließt.
Allerdings kann von "Fließen" eigentlich keine Rede sein. Der Fluss führt nur sehr selten Wasser. Und da die Australier trotzdem nicht auf ihre Regatta verzichten wollen, sind sie dazu übergegangen, die Boote einfach zu tragen. Das Spektakel zieht jährlich bis zu 200.000 Besucher an. Da die Regatta somit für die Stadt von großer Bedeutung ist, haben die Veranstalter sogar eine Versicherung abgeschlossen, für den Fall, dass der Fluss doch irgendwann einmal Wasser führen sollte. Leider sind wir ein paar Wochen zu spät gekommen, um dieses Festival mitzuerleben. Aber auch ohne Bootsrennen ist eine Wanderung entlang des Flusses, oder auch im Flussbett selbst, sehr interessant.
Wir sind heute recht früh aufgestanden, um noch vor der Mittagshitze entlang des Todd Rivers hinaus zu der alten Telegraphen Station von Alice Springs zu laufen. Die Station liegt ca. 3km nördlich. Sie wurde bereits ein paar Jahre vor der Stadt gegründet und liegt an einem Wasserloch, das der Station und der Stadt den Namen gab. Auf den ersten Blick ist auch hier der Fluss ausgetrocknet. Aber als wir ein bisschen zu graben anfangen, stoßen wir bereits nach etwa einer Handbreit auf Grundwasser.
Die Telegraphen Station wurde 1871 gegründet. Damals muss es hier noch sehr viel einsamer gewesen sein als heute. Immerhin ist die Station das erste Steingebäude im Landesinnern von Australien. Es ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass alles, was hier zu sehen ist, auf Kamelen und Pferdewagen den langen Weg von Adelaide hertransportiert werden musste.
Nach der Stilllegung der Telegraphenverbindung wurde die Station eine Zeitlang als Schule und Heim für Kinder der Aborigines aus der Umgebung genutzt. Heute ist sie ein Museum und zeigt Einrichtungen aus der Anfangszeit der Telegraphenstation.
Auf dem Gelände der Station laufen übrigens nicht nur Touristen rum, sondern auch eine große Zahl an Kakadus. Die Vögel sind zwar nicht wirklich zahm, haben sich aber doch ziemlich gut an die Menschen gewöhnt, so dass man sie in aller Ruhe und aus der Nähe beobachten kann.
Wieder zurück auf dem Campingplatz in Alice Springs haben angefangen, unsere Sachen zu packen. Am nächsten Tag wollen wir früh in Richtung Kings Canyon aufbrechen.